Main Echo: Nicht nebenbei zu erledigen

Main Echo: Nicht nebenbei zu erledigen

Geschrieben am 13.01.2020


Warum Krombachs ehrenamtlicher Bürgermeister Peter Seitz seinen Job wie ein Hauptamt versieht

Kommunalwahlen 2020: Peter Seitz (UB) strebt zweite Amtszeit als Krombacher Bürgermeister an

Krombach  Das Hoch­was­ser im Mai 2017 sei sein sch­limms­tes und zu­g­leich sc­höns­tes Er­leb­nis als Krom­ba­cher Bür­ger­meis­ter ge­we­sen, er­zählt Pe­ter Seitz. Ei­ner­seits sch­limm, weil die gro­ßen Was­ser­mas­sen nach dem Star­k­re­gen durch den Ort wälz­ten, de­nen man stel­len­wei­se hil­f­los ge­gen­über­ge­stan­den sei. An­de­rer­seits sc­hön, weil die Hilfs­be­reit­schaft inn­er­halb des Orts und dar­über hin­aus so groß ge­we­sen sei.

Es war eine kleine Sensation, wie deutlich Seitz die Bürgermeisterwahl 2014 gegen den damaligen Amtsinhaber Reiner Rosenberger (CSU) gewonnen hatte. Mit knapp 63 Prozent der Stimmen eroberte der damals kommunalpolitische Neuling den Chefsessel im Rathaus.

Halbes Jahr parallel zum Hauptjob

Der Bürgermeisterposten in Krombach ist als ehrenamtlicher Job angelegt. Doch aus Seitz' Sicht ist das nicht realistisch: Ein halbes Jahr habe er parallel als Bürgermeister und in seinem eigentlichen Beruf als Entwicklungsleiter bei einem IT-Dienstleister für Kommunen gearbeitet, doch das sei zuviel geworden. Deshalb ruhe sein Hauptjob nun und er führe den Bürgermeisterposten wie ein Hauptamt aus, obwohl die Rahmenbedingungen wie die Vergütung nach wie vor die eines ehrenamtlichen Rathauschefs sind. "Jeder, der sich bewirbt, muss wissen, dass das Bürgermeisteramt nicht nebenbei zu erledigen ist." Allein die anstehende Sanierung der Borngasse werde eine hohe Präsenz des Rathauschefs erfordern.

Seitz interpretiert die Rolle nicht wie ein abwartender Verwalter, sondern ein gestaltender Manager. "Für mich ist der Antrieb, dass man als Bürgermeister etwas verändern kann und wir haben schon eine Menge bewegt." Besonders gut gefalle ihm, wie vielseitig die Aufgabe sei.

Über die Frage, was in Krombach seit dem Amtsantritt von Seitz bewegt wurde, herrschen unterschiedliche Auffassungen. CSU-Herausforderer Horst Hug sagt zum Beispiel, dass aus seiner Sicht zu wenig passiert ist mit Blick auf marode Straßen.

Der Amtsinhaber sagt jedoch, dass die Unabhängige Bürgerliste, zu der er gehört und die 2014 aus dem Stand die absolute Mehrheit holte, 90 Prozent des damals aufgestellten Wahlprogramms umgesetzt oder zumindest angeschoben habe. Als Beispiele nennt er die verbesserte Busverbindung, den Fuß- und Radweg nach Blankenbach, die verbesserte Finanzsituation und den innerörtlichen Fuß- und Radweg, für den die Untersuchungen laufen.

Gründlich statt überhastet

Wie steht er zum Vorwurf, dass mehr Straßen saniert werden müssten? Seitz verweist auf die zeitaufwändige Untersuchung im Vorfeld von Baumaßnahmen, bei der auch alle Kanäle im Ort untersucht wurden. Am Ende sei eine Prioritätenliste entstanden, an deren Spitze die Borngasse steht. "Ich brauche eine vernünftige Grundlage. Aber es kostet Zeit, das alles auszuwerten."

Im Gegensatz zu sichtbaren Straßenbauprojekten ist nach Seitz vieles erledigt worden, was nicht so öffentlichkeitswirksam, aber ebenso nötig ist: Dazu zählt er den Brandschutz in der Schule oder die Reparatur der Hackschnitzelheizung. Gerade am Anfang habe er viele Themen gleichzeitig beackern müssen: "Wenn vieles zeitgleich angegangen wird, ist die Umsetzungsgeschwindigkeit nicht so hoch, wie wenn nur ein Projekt ansteht."

Luft nach oben erkennt er beim Punkt Information, für den er in der Bürgerversammlung angegangen wurde. Die "Dorfschelle" habe er aus Zeitgründen einstellen müssen. Zeit ist ohnehin der Dreh- und Angelpunkt: Auch den Vorsitz der Sängervereinigung hat Seitz deshalb in andere Hände gelegt.

Und die Familie? Ohne die hundertprozentige Unterstützung seiner Frau würde es nicht gehen, bekennt der 53-Jährige. Der Arbeitsplatz im Rathaus - und damit in der Nähe des Kindergartens und des Zuhauses - hat aber auch sein Gutes: Seinen jüngsten Sohn, der kurz nach der Wahl 2014 zur Welt gekommen ist, bringt Seitz meist morgens mit dem Rad zum Kindergarten und mittags nach Hause.

caw

Hintergrund: Blick auf Peter Seitz' Handy
Das Krombacher Rathaus ziert als Hintergrundbild das Dienst-Smartphone von Bürgermeister Peter Seitz. "Den Mail-Account nutze ich sehr intensiv", sagt er. Über das Mitteilungsprogramm Whats App steht er mit dem Bauhof und der Feuerwehr in Verbindung und informiert die Gemeinderäte in einer Gruppe. Ebenfalls zu entdecken sind das Terminabfrage-Werkzeug Doodle, Facebook und die Gemeindehomepage. Noch in der Testphase befindet sich die Krombach-App.

Und wie steht es um die Verfügbarkeit von Daten? In Sachen Mobilfunk sagt Seitz, dass auch der Anbieter Vodafone auf den Mobilfunkmast aufgeschaltet werde. Und in Sachen Glasfaserausbau wird sich 2020 in Krombach viel tun: Die Deutsche Glasfaser wird im Ort das Netz ausbauen. Zudem ist es gelungen, die Telekom für den Anschluss von vier Aussiedlerhöfen zu gewinnen.